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10.000 Pferde irren nicht – Simian Mobile Disco

Springende Lichtballen in abgewrackten Lagerhallen, rumknutschende Hipster-Mädchen, rumänische Familien in Trainingsanzügen und eine irre Band, die sich in dein Wohnzimmer drängt. Willkommen in der Welt von Simian (Mobile Disco)! (von Julius Brodkorb)

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© 2008 Sergio Recabarren

Bevor YouTube alle Musikvideos für den deutschen Benutzer sperrt – ich habe davon zwar bisher noch nichts gemerkt, aber wahrscheinlich erwischt es eh die Majoracts zuerst – hier noch einmal ein Marathon-Post mit jeder Menge Videos. Eigentlich wollten wir uns ja mit der Veröffentlichung von fremdem Bewegtbildmaterial zurückhalten, weil es ja auch genug andere Portale gibt, die das schon machen. Aber da unsere eigenen Videos noch im Entstehungsprozess sind und wir gerne etwas sehenswertes anbieten, werden hier öfter mal ein paar Empfehlungen erscheinen.

Heute stellen wir zwei relativ aktuelle Videos von Simian Mobile Disco vor, dem Duo bestehend aus dem ehemaligen Schlagzeuger (James Ford) und dem ebenfalls ehemaligen Keyboarder (James „Jas“ Shaw) der Band Simian. Warum ehemalig? Weil sich die Band früh wieder auflöste, um genau zu sein kurz nach dem zweiten Album und kurz vor der zunehmenden Bekanntheit durch einen Song für ein weltweit agierendes Internetauktionshaus. Scheinbar war zum Einen die Luft zwischen den handelnden Protagonisten raus, zum Anderen hatte sich die Plattenfirma, in diesem Falle das französische Label Source (oder war es wieder mal ihre Mutti, die EMI) entschieden, derlei merkwürdigen Sound nicht weiter zu unterstützen.

Gut, dann haben die beiden ehemaligen Mitglieder eben das gemacht, was ihnen sowieso mehr lag, Musik für den Club zu machen und diese dann im Club spielen. Das war erstens viel leichter als die Arbeit mit einer Band, zweitens viel lustiger und drittens wurde ihnen der Weg  durch den Erfolg von Justices Remix zu „We Are Your Friends“ erleichtert, die so den Namen Simian in allen Teilen der Welt bekannt machten. Auch wenn das einzige was von der Band stammte, die Stimme von Sänger Simon Lord war. Dieser zählt bekanntlich ja nicht zu Simian Mobile Disco, darf aber „I Believe“ seine Stimme leihen und ist auch ansonsten sehr umtriebig mit seinen Soloprojekten The Garden, Lord Skywave und der Kollaboration The Black Ghosts mit DJ Touché aka Fake Blood.

So zerbrach die Band, wie Simian damals auf ihrer Website schrieben, in viele scharfkantige und schöne Scherben. Und diese können wir jetzt bewundern und uns immer wieder daran erfreuen.

Die Scherben kann man jetzt hier betrachten, so gibt es zwei aktuelle Stücke von Simian Mobile Disco, die wohl auf dem im Frühsommer anstehenden zu finden sein werden. Regie geführt haben hier beide Male die blutjunge Designerin Kate Moross und der DJ und Designer Alex Sushon, die hier sehr simple (but effective, like Erol Alkan would say) Punktgrafiken in leere Lagerhallen projizieren.

Des weiteren gibt es noch ein älteres Video vom Debutalbum „Attack Sustain Decay Release“ zu sehen. Der französische Kourtrajmé-Regisseur Romain Gavras („A Cross The Universe“, Justice – „Stress“) hat sich hier nach Rumänien begeben und lässt die dort lebende Landbevölkerung mit der Stimme von Simon Lord singen. Mit der Ästhetik der Vorstadtarmut, die er auch in dem DJ Mehdi-Video „Signatune (Thomas Bangalter Edit)“ verwendet hat, erzeugt er eine beklemmende und faszinierende Stimmung.

Das nächste Video stammt vom Regisseur Saam Farahmand, der unter anderem eine der besten Musikdokumentationen der Neuzeit zu verantworten hat, der Film „Part Of The Weekend Never Dies“ über die belgische Band Soulwax. Er drehte eine, für einige Musiksender wenig geeignete (und für Sexisten ein gefundenes Fressen – im positiven Sinne) Interpretation zu dem SMD-Stück „Hustler“.

Ein wenig in der Zeit zurück führt uns das Video „La Breeze“, ein Song vom zweiten Album der Band Simian, dessen Video die Bedrohlichkeit, die in den Worten „We Are Your Friends“ liegt, bildlich darstellt und die Musiker als virale Truppe von schizoiden Drückerkolonnen englische Vorstädte verunsichern lässt. Das aggressive Aufstampfen mit dem Fuß, das Simon Lord in dem Video demonstriert, zählt tatsächlich zu seinem Habitus und kann von mir als verbrieft gelten, nachdem ich einem Simian-Konzert beiwohnen durfte, bei dem nebenbei bemerkt auch Erlend Øye im Vorprogramm seinen ersten DJ-Auftritt überhaupt hatte.

Und die letzten beiden Videos – ach seht doch einfach selbst. Man kann auch alles zerschreiben.


Simian Mobile Disco – 10.000 Horses Can’t Be Wrong
Regie: Kate Morros & Alex Sushon


Simian Mobile Disco – Synthesise
Regie: Kate Morros & Alex Sushon


Simian Mobile Disco – Audacity of Huge
Regie: Kate Morros & Jo Apps


Simian Mobile Disco – I Believe
Regie: Romain Gavras / Kourtrajmé Productions


Simian Mobile Disco – Hustler
Regie: Saam Farahmand


Simian – La Breeze
Regie: Henry Moore Selder


The Black Ghosts – Anyway You Choose To Give It
Regie: Diamond Dogs


The Black Ghosts – Repetition Kills You (feat. Damon Albarn)
Regie: Skill Wizard & Lamo


Justice Vs. Simian – Never Be Alone
Regie: Surface To Air, Paris

Weitere Informationen:
Simian Mobile Disco Website / Simian Mobile Disco MySpace
Simon Lord Website / Simon Lord MySpace
Lord Skywave MySpace
The Black Ghosts Website / The Black Ghosts
Fake Blood MySpace
DJ Touché MySpace

Artikel veröffentlicht von Julius am: 07.04.09

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