Le Fantôme De Le Mr. Oizo
Quentin Dupieux versucht sich in den Fußstapfen von Luis Buñuel und präsentiert uns (k)einen Einblick in Mr. Oizos Arbeitsweise. Wir zeigen einen Einblick in seine Arbeit. (von Julius Brodkorb)

©2008 Mattia Bergamini / puntogif
Vor gefühlten 20 Jahren gab es mal eine Werbung für eine Blue-Jeans (fast schon ein Vintage-Ausdruck) einer bekannten Marke mit einem kleinen gelben Stoffwesen, das aus Jim Hensons Werkstattabfall geklettert zu sein schien. Dabei handelte es sich um eine handgeklöppelte Kreation des Franzosen Quentin Dupieux, der eigentlich Werbe- und Videoclipregisseur war, aber nebenbei unter dem Pseudonym Mr. Oizo autodidaktisch etwas Musik programmierte. Das Stück dazu hieß „Flat Beat“ und schon sein Titel verrät viel über den Humor des Herrn Dupieux. Wußte er doch schon damals selbst, dass es sich um ein für seine Verhältnisse ziemlich flachen Track handelte, der aber gerade wegen seiner Primitivität die Clubs dieser Welt im Sturm nahm und Horden von stachelfrisurigen Teenagern zum alkoholisierten Formationstanz brachte.
Der daraus resultierende Erfolg und die Omnipräsenz des Mr. Oizo und vor allem seines Protagonisten Flat Eric führte dazu, dass sich in Dupieux ein innerer Widerstand gegen dieses Konglomerat aus Marketing und Hype aufbaute und er bewusst gegensteuerte. Daraus entstand ein ziemlich antithetisches Album in Bezug zu seinem bekanntesten Stück „Flat Beat“, dessen Sound von den wenigsten Stachelfrisuren noch nachzuvollziehen war. Analog dazu veröffentlichte er Videos ohne den flausigen Flat Eric, die sich an Merkwürdigkeit gegenseitig zu überbieten versuchten.
Mittlerweile ist Mr. Oizos drittes Album „Lambs Anger“ erschienen. Inzwischen ist er bei dem Pariser Hipster-Label Ed Banger unter Vertrag, von dessen Künstlern er sich höflich distanziert, schließlich interessieren ihn keine Strömungen oder Styles. Nach eigener Aussage dauert die Produktion seiner Tracks nie länger als ein oder zwei Stunden, was wir ihm mal ebenfalls höflich abnehmen wollen. Live spielt er zwar die gleichen Stücke wie seine Kollegen Justice, Busy P und SebastiAn, aber in seinem Falle habe dies wohl eher monetäre Ursachen und ginge nicht auf wirklich ehrliches Interesse an dem Sound zurück. So viel Hybris wollen wir doch gleich beklatschen und uns seine Alben mit Adlerohren (oder waren es Augen?) anhören und müssen sagen, Recht hat er!
Inzwischen ist seine Verehrung für Luis Buñuel nicht mehr nur stilistisch in seinen absurden Erzählweisen zu erkennen, sondern wird augenscheinlich durch die als Albumteaser getarnte Hommage an den „andalusischen Hund“ von Buñuel und Dalí. Die Generation, die er mit seiner Musik und wahrscheinlich auch seinen Videos erreicht, wird in den meisten Fällen kaum einen Bezug zu dem Film von 1929 herstellen können, aber auch das ist eigentlich egal, da der Mikrokosmos des Quentin Dupieux auch außerhalb eines übergeordneten Kontextes funktioniert. So entstand begleitend zu dem neuen Album ein Making Of, dass ähnlich grotesk wie einige Szenen von „Das Gespenst der Freiheit“ von Luis Buñuel ist. Hier handeln die Akteure in einer Ernsthaftigkeit völlig sinnfrei und fernab jeglicher Erklärbarkeit. Und genau dies ist das Konzept all seines Schaffens, wer sich einmal die Texte auf den Rückseiten einer Mr. Oizo-Platte durchliest, wird den Zustand zwischen Lachen und Unverständnis kennen, der ihn von der Menge der bierernsten Konzeptlosigkeitsmusiker abhebt.
Noch zu erwähnen wäre auch der Kinofilm „Steak“, in dem das französische Komödianten-Duo Eric & Ramzy die Hauptrollen übernehmen und illustre Gestalten wie Kavinsky (der auch in den Videos „Stunt” und „Analog Worms Attack“ im Zentrum steht), Sébastien Tellier und SebastiAn mitspielen, der Soundtrack übrigens mit beiden letzteren und Oizo gemeinsam entstanden und auf Tonträger als Import erhältlich, wen es interessiert.
Im Anhang finden sie eine Auswahl zarten Gemüses. Einiges ist gut, einiges ist schlecht, und einiges ist einfach in Ordnung.
Ausschnitt aus Das Gespenst der Freiheit (Les Fantôme De La Liberté, 1974)
Regie: Luis Buñuel
The Making Of Lambs Anger, 2008
Regie: Quentin Dupieux
Der andalusische Hund (Un Chien Andalou, 1930)
Regie: Luis Buñuel und Salvador Dali
Lambs Anger, 2008
Regie: Quentin Dupieux
Laurent Garnier – Flashback
Regie: Quentin Dupieux
Mr. Oizo – Stunt
Regie: Quentin Dupieux
Mr. Oizo – Analog Worms Attack
Regie: Quentin Dupieux
Trailer von Steak, 2007
Regie: Quentin Dupieux
Weitere Informationen:
Quentin Dupiuex MySpace
Mr. Oizo MySpace
Ed Banger Website / Ed Banger MySpace
Kavinsky MySpace
SebastiAn MySpace
Ähnliche Artikel
-
Gib Gummi! Mr. Oizo ist zurück.
Nachdem Flat Eric also endlich aus der Haft entlassen wurde, konnte Quentin Dupieux sich die ...
-
Rubber – Der Reifen des Todes von Mr. Oizo
Hier noch ein kleiner Appetizer zu dem neuen Kinofilm „Rubber“ von Quentin Dupieux (Mr Oizo), ...
-
WRONG von Quentin Dupieux
Wann schläft dieser Mensch eigentlich? Gerade erst kam sein Kinofilm „Rubber“ als DVD heraus, sein ...
-
Was ist klein und behaart?
Nach der relativ lang anhaltenden Ruhe der letzten Posting-Tage meinerseits, haue ich ganz faul einfach ...
















schrieb am 30. Juni 2010 um 20:44 :