Das weiße Rauschen – Die Beatles Remastered
Die Meinungen über den folgenden Artikel werden konträr ausfallen. Dies liegt daran, dass die Beatles zu den wichtigsten Bands aller Zeiten gezählt werden und es somit für viele einem Sakrileg gleicht, nach der Auflösung der Band irgendetwas an ihrem Werk zu modifizieren oder dem etwas hinzuzufügen. So geschehen mit der kürzlich veröffentlichten Remastered Kollektion aller Alben. (von Julius Brodkorb)
Ich finde die erneut überarbeiteten Alben erstmal eine gute Sache. Sogar die Remix-Variante „Love“ empfand ich schon als sehr gelungen, obwohl sie das Schlimmste macht, was man mit Originalmaterial der Beatles machen kann – die Spuren neu arrangieren. Auch wenn es damals durch den einzig möglichen autorisierten Beatles-Arrangeur George Martin geschah, immerhin Produzent fast aller Alben der Band. Die Reaktionen auf das im Jahre 2004 erschienene Album reichten von „endlich eine zeitgemäße Bearbeitung der noch heute nachwirkenden Musik“ bis „Paul McCartney und Yoko Ono können nie genug bekommen und melken die Fans weiter…“. Meinungen innerhalb dieses Spektrums gab es mit Sicherheit auch jede Menge, aber ich bin der Meinung, dass Konservatismus keiner Band gut steht und zudem niemals zu der Haltung der Beatles gepasst hätte, als sie sich noch in ihrer aktiven Phase befanden.
Zum Thema Fan-Ausbeutung kann man auch nur sagen, dass derjenige ausgebeutet wird, der sich ausbeuten lässt. Oder aber, dass niemand gezwungen wird, sich die neuen Alben zu kaufen, die das erste Mal in einer adäquaten Verpackung daherkommen und nicht wirken, als seien sie von gebrauchten Plattencovern abfotografiert und im 70er Jahre Fotosatz mittels Nagelschere ohne jegliches Empfinden für Ästhetik erstellt worden. Sicherlich fehlt ihnen der knisternde Charme und das verstaubte und verblichene Element aus dem unbearbeiteten Material. Wobei sich aber auch die Frage stellt, ob es sich hierbei nicht wieder um den um sich greifenden Vintage-Wahn handelt, um uns zu vergewissern, dass wir etwas Exklusives in der Hand halten, dass schon ein Leben vor uns gelebt hat. Interessanter hierbei finde ich dann doch eher die Sichtweise des Künstlers, also die Frage, ob die Beatles damals den Wunsch hatten, dass ihre Aufnahmen verrauscht und dumpf klingen und die Cover unscharf und minderwertig gedruckt sind. Wenn man bedenkt, dass die Band immer an aktueller Musik zum Einen interessiert und zum Anderen immer technisch auf dem neuesten Stand waren, würde ich vermuten, dass die Antwort eher negativ ausfiele.
Nun aber mal zu den überarbeiteten Abmischungen; es wurden noch einmal alle Originalbänder gesichtet, gesäubert und digitalisiert. Offensichtlich hat man sich nicht des schon vorhandenen Materials von „Love“ bemächtigt, denn diese Sauberkeit und Brillanz, beispielsweise auf „Eleanor Rigby“, wird nicht erreicht. Ein deutliches und konstantes Rauschen ist auf allen leisen Passagen der Remastered Alben zu vernehmen, also ein wenig Vintage liess sich also nicht gänzlich eliminieren. Hierbei zeigt sich, dass die Familie Martin, vertreten durch Vater George und Sohn Giles immer noch das bessere Know-How als die vergleichsweise namenlosen Studiotechniker aus der Abbey Road haben. Allerdings muss man auch dazu bemerken, dass es sich um 13 Alben und die Doppel-CD „Past Masters“ handelt – sprich 16 Tonträger, die gemastert wurden, „Love“ jedoch nur aus 26 Titeln besteht, die weitaus weniger Arbeit bedeuteten.
Auffällig ist, dass Schlagzeug und vor allem der Bass in vielen der neuen Abmischungen einer Lautstärkenanhebung unterzogen wurden, die meines Erachtens aber schon lange notwendig war und weniger der Tatsache geschuldet ist, dass James Paul McCartney und Richard Henry Parkin Starkey jr. derzeit die einzigen Beatles mit Mitspracherecht sind. Ansonsten sind die Veränderung nicht annähernd so drastisch wie auf dem Remix-Album und für den gemeinen Musikrezipienten wahrscheinlich sogar fast schon unmerklich.
Dennoch waren die Remastered-Alben mehr als überfällig und ersetzen die 1987 im Zuge der flächendeckenden Einführung der Audio-CD produzierten und lieblos gestalteten Plastikscheiben. Warum allerdings die Kollektion nicht zeitgleich auf Vinyl erschienen ist, ist rätselhaft, zumal ja gerade viele nostalgisch oder audiophil angehauchten Beatles-Fans auf diesen rein physikalischen Tonträger schwören. Vermutlich aber spricht man wirklich eher ein junges Publikum an, die meisten Gamer des zeitgleich erschienen „The Beatles: Rock Band“ für Wii, Playstation3 und XBox sind wohl eher im Bereich unter 20 Jahren anzusiedeln. So lässt sich die Walt Disney Company tatsächlich auch noch dazu hinreißen, Robert Zemeckis eine dreidimensionale Neuverfilmung von „Yellow Submarine“ produzieren zu lassen. Ob Tom Hanks eine Rolle oder sogar wieder alle Rollen spielen wird, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen, will es aber auch ehrlich gesagt auch gar nicht wissen.
Für Beatles-Fans und -affine sind es zumindest wieder aufregende Zeiten und eines haben sie auf jeden Fall geschafft, endlich sind sie wieder Nummer 1.
Weitere Informationen:
The Beatles (offizielle Website)
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