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Sufjan, was für ein seltsamer Name…

Welche merkwürdigen Vögel nennen ihren Sohn eigentlich so, Sufjan? Und warum? Achso, weil er sonst nicht auffallen würde zwischen Horst und Ulf. Aber ist diese Frage eigentlich bedeutsam in Zeiten, in denen Menschen ihre Kinder wie Autos und Hundefutter nennen? (von Julius Brodkorb)

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Foto: ©2006 elspop Concert Photography

Eigentlich war die Einleitung für diesen Artikel – warum auch immer – als nützliches Pointenkatapult gedacht, aber manchmal findet eben jenes zu katapultierende Material einfach nicht den Weg zum Autor und somit ist der Leser infolge dessen um eine erheiternde Einführung gebracht. Sei’s drum.

Darum stellte sich mir nun folgende Frage: Wie soll man eigentlich einen Artikel über einen Musiker schreiben, über den schon so viele Artikel geschrieben wurden und bei dem sich wohl alle Schreiber gedacht haben: „Wie soll ich einen Artikel über einen Musiker schreiben, über…“? Und so weiter. Könnte man jetzt also denken, ein ewiger Loop. Ja! Genau: Loops – die gibt es öfter bei Sufjan Stevens, aber nicht wie beim kalten Techno, auch wenn er den ganz gerne mal bemüht, sondern bei Stevens läuft das meist eher mit akustischen Instrumenten und sehr nah am Minimal-Sound eines Steve Reich beispielsweise.

(Achso, und die Geschichte mit dem Namen, das soll so gewesen sein: Sufjans Eltern waren Mitglieder der nonkonfessionellen spirituellen Organisation Subud, der Name stammt aus dem Arabischen, abgeleitet von Abu Sufyan, einer Figur aus der islamischen Geschichte. Soweit zu dieser Erklärung, wenn es wirklich jemanden interessieren sollte.)

Nun macht dieser Sufjan im Grunde schon seit seiner Kindheit Musik. Und dies, wie immer bei jenen Wunderkindern, nicht auf einem kleinen Glockenspiel, sondern direkt auf der gesamten Palette des Instrumentariums. Wobei man das Banjo wohl zu einem seiner Hauptinstrumente zählen kann, denn dessen Verwendung häuft sich auf seine vielen Alben. Davon wiederum hat er wirklich schon einige in seinem jungen Leben herausgebracht, meist auch mehrere in einem Jahr. 2009 erscheinen erneut zwei davon.

Zunächst gibt es einen Soundtrack und dazu einen von ihm selbst gedrehten Film namens „The BQE“, dessen Trailer wir auch hier zeigen. Außerdem erscheint noch das Album „Run Rabbit Run“, dass er mit Osso, einem Berliner/New Yorker Steich-Quartett aufgenommen hat und das im Grunde die Fortsetzung oder besser Neubearbeitung seines Konzeptalbums „Enjoy Your Rabbit“ ist, dass die chinesischen Tierkreiszeichen behandelt.

Mit Konzepten hat es Herr Stevens ja, so wollte er uns allen Ernstes weismachen, dass er zu jedem der 50 US-amerikanischen Bundesstaaten ein Album veröffentlicht, seine ersten beiden ambitionierten Beweise „Greetings from Michigan: The Great Lake State“ und „Sufjan Stevens Invites You: Come on feel the Illinoise“ hätten es uns auch fast glauben lassen. Aber wann soll er dann noch seine ganzen anderen Parallelprojekte, wie das religiös aufgeladene „Seven Swans“ oder seine mittlerweile acht Teile umfassende „Songs For Christmas“-Reihe fertigstellen? Seine Alben umfassen meist sehr viele Titel, die wiederum häufig sehr viele Wörter beinhalten, so zählt der Song „The Black Hawk War, Or, How To Demolish An Entire Civilization And Still Feel Good About Yourself In The Morning, Or, We Apologize For The Inconvenience But You’re Going To Have To Leave Now, Or, »I Have Fought The Big Knives And Will Continue To Fight Them Until They Are Off Our Lands!«“ wahrscheinlich zu einem der längsten Songtitel überhaupt, auch wenn er selbst nur 2:15 Minuten dauert.

Auffällig ist, dass die beiden aktuellen Alben gänzlich ohne den verhaltenen Gesang auskommen, der ja eigentlicht Sufjans zweites (oder drittes) Markenzeichnen ist und der erstaunlicherweise gar nicht zu seiner sonoren Sprechstimme passt. So ist „Run Rabbit Run“ ausschließlich mit Streichern arrangiert und interpretiert die hektisch elektronischen Sounds des Vorläuferalbums „Enjoy Your Rabbit“, dabei an das  Alarm Will Sound Orchester erinnernd, dass die eklektizistischen Werke Aphex Twins in akustischen Versionen spielt.

Der Soundtrack zu „The BQE“ kommt, wie es sich für Filmmusik gehört, pompöser daher und zelebriert mit recht ausholender Geste wunderbare Melodien, wie sie nur Stevens erzeugen kann, vermutlich. Zu hören ist hier die gesamte Palette der Werkstoffe, respektive aus Holz-, Metall- und Elfenbein gefertigte Instrumente. Den dazugehörigen Film konnten der Autor bisher noch nicht sichten, verspricht an dieser Stelle aber dran zu bleiben.


Sufjan Stevens – The BQE


Sufjan Stevens – Palm Sunday Tornado Hits Crystal Lake


Sufjan Stevens – For The Widows In Paradise, For The Fatherless In Ypsilanti


Sufjan Stevens – Put The Lights On The Tree

Weitere Informationen:

Asthmatic Kitty Records

Osso

Artikel veröffentlicht von Julius am: 08.10.09

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