Zurück in Berlin – Peter von Poehl
Auch wenn es sich diesmal um eine Wiederholung handelt, die Notwendigkeit scheint gegeben zu sein, erneut auf Peter von Poehl hinzuweisen. Und seien wir mal ehrlich, der letzte Artikel ist lang genug her, um ihn vielleicht vergessen zu haben, oder? (von Julius Brodkorb)

Foto: ©2009 Valentin Ottone
Erneut sehe ich mich genötigt, über einen der (viele Adjektive würden passen; sucht euch was zwischen grandios, phantastisch, superb und unglaublich aus) Musiker unserer Zeit zu berichten, Peter von Poehl. Denn er ist zurückgekehrt in seine ehemalige Wahlheimat Berlin, wenn auch nur für ein paar Tage und ein nicht minder (Adjektiv der Wahl) Konzert. Unterwegs ist er derzeit eigentlich eher im französischsprachigen Ausland, so trat er nun deshalb konsequenterweise im Rahmen des „Francophonic Festival“ auf, auch wenn irritierenderweise er und die zweite Band des Abends Moriarty nicht in Französisch sondern Englisch texten, also eher bei einem Anglophonic Festival hätten auftreten müssen. Fernab jeglicher Sprachverwirrungen aber war dies eine der seltenen Möglichkeiten Peter von Poehl in Deutschland zu erleben.
Vor einigen Jahren verbrachte er längere Zeit in Berlin Kreuzberg in der Gräfestraße, wo er mit seinem Freund Florian Horwath gemeinsam an seiner Musik und dem ersten Album „Going To Where The Tea Trees Are“ arbeitete. Das Album, das klingt wie eine lange Reise oder ein wandern durch nebelige Landschaften, vielleicht so, wie wir Mitteleuropäer uns die Topographie Schwedens vorstellen, des Landes, in dem er aufwuchs.
Peter von Poehl spricht nicht nur die Sprachen seiner Eltern, Deutsch und Schwedisch, sondern auch Französisch und selbstverständlich Englisch, die Sprache in der er singt. Mittlerweile lebt er in Frankreich, wo er schon vorher mit Bertrand Burgalat und Michel Houellebeqc zusammenarbeitete. Dies erklärt vielleicht auch, warum sein aktuelles Album „May Day“ bisher immer noch nicht in Deutschland erschienen ist, allerdings befindet sich ein noch nicht genau terminierter Release in Vorbereitung. Es wäre allerdings sehr begrüßenswert, wenn sich sowohl die deutsche Musikpresse als auch das rezipierende Publikum seiner Musik annähme, denn mit seinen beiden Alben hat es sich von Poehl allemal verdient.
Bei „May Day“ handelt es sich, dies muss ich gestehen, um eines derjenigen Alben, von denen ich ursprünglich hoffte, dass sie nie erscheinen würden. Nun fragt sich der Leser, warum ich es dann mit dieser Emphase verteidige. Dies hat einen einfachen Grund, ich war der Meinung, dass niemand nach einem Werk wie „Going To Where The Tea Trees Are“ etwas gleichartig Gutes oder sogar besseres aufnehmen könne, dies wurde mit „May Day“ nach drei Jahren grandios widerlegt. Es ist anders und ebenbürtig, also noch nicht mal eine Wiederholung des selben Konzepts. Der Grundtenor ist diesmal vielleicht weniger weit im landschaftlichen Sinne, die Klänge lassen sich nicht so sehr treiben wie Wolken, aber dennoch ist eine durchgehende, sensuchtsvolle Stimmung vorhanden, die für Peter von Poehl typisch ist.
Um dieses Mal einen tieferen Einblick zu gewähren, gibt es ein paar Videos mehr und ich wiederhole meinen Aufruf: „Leute, Peter von Poehl ist ein fantastischer Musiker, den man sich anhören muss! Außerdem ist er ein sehr sympathischer Kerl, mit dem man auch ein Bier trinken und nachts durch Kreuzberg laufen kann.“ (Diese Information hat der Autor aus sicherer, ihm sehr gut bekannter Quelle.)
Peter von Poehl – Going To Where The Tea Trees Are
Peter von Poehl – The Story Of The Impossible
Peter von Poehl – The Bell Tolls Five
Peter von Poehl – Scorpion Grass
Peter von Poehl – Broken Skeleton Key
Peter von Poehl – Parliament (Short Video)
Peter von Poehl – Near The End Of The World
Peter von Poehl – Elisabeth (Short Video)
Peter von Poehl – May Day (Short Video)
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