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24×8=Das Gute siegt

„Das musst du gesehen haben“, „Diese Serie macht süchtig“. Diese oder ähnliche Sätze lese ich seit Jahren in diversen Zeitungen oder bekomme sie von begeisterten Freunden zu hören. Schlussendlich beschloss ich, mir selber ein Bild zu machen. Die Rede ist von der TV-Serie 24. (von Rebecca Hildenhagen)

Dem einen oder anderen Leser dürfte die erfolgreiche Serie natürlich schon ein Begriff sein. Jack Bauer (gespielt von Kiefer Sutherland), Special Agent der fiktiven Anti-Terror-Einheit CTU stellt sich in jeder Staffel dem Terror böser Buben auf Leben und Tod. Seine Familie (und sein Land) gehen ihm über alles, ein ständiger Kampf des Guten gegen das Böse. Ohne Rücksicht auf sich selbst oder andere missachtet er dabei übliche Regeln oder Gesetze sobald sie ihn daran hindern, zum gewünschten Erfolg zu kommen. Häufig werden für das Erreichen dieser Ziele extreme Gewaltandrohungen oder Foltermethoden eingesetzt, denn das Mantra jeder Folge lautet: Zeit ist etwas, was wir nicht haben!

Ähnlich wie der Hauptdarsteller selbst befindet man sich als Zuschauer in einem ständigen Zustand gehetzter Spannung, die Angst ist immer greifbar – und damit auch das bestmögliche Verkaufsargument. Eine Staffel dieser Serie behandelt 24 Stunden. Immer wieder wird eine Digitaluhr eingeblendet, um die verbleibende Zeit anzugeben, der Stress erhöht sich mit jeder Minute. Durch den Einsatz von so genannten Split Screens des Bildschirms ist es dem Zuschauer möglich, mehrere Handlungsstränge gleichzeitig zu verfolgen. Dadurch soll das Gefühl von Realität und Spannung noch gesteigert werden. Was insofern leider nicht immer so funktioniert, als man als Zuschauer natürlich weiß, dass Jack Bauer bei den brutalsten Folterszenen, bei der – gefühlt – 100. lebensbedrohenden Situation am Ende doch überleben wird. So verwundert es nicht, dass selbst dem übelsten Bösewicht irgendwann auffällt: „Jack Bauer hat mehr Leben als eine Katze“. Aber das ist wohl immer der schwache Punkt bei über Jahren andauernden Serien – stirbt der Hauptdarsteller, stirbt die Serie. Da beißt sich auch diese Katze in den Schwanz.

Zwei Staffeln später habe ich nur noch einen Wunsch: Jack Bauer for Präsident! Den schwarzen US-Präsidenten hat die Serie der Realität schon vorweggenommen, was spricht also gegen einen Jack Bauer, der uns den Unterschied zwischen Gut und Böse aufzeigt. Daran ändern auch die Massen an Toten nichts mehr, die in jeder Staffel ihr Leben lassen müssen. „Manchmal muss man ein Feuer anzünden, um ein anderes zu löschen“. Das ist zwar nicht schön und macht sowohl Jack als auch dem Präsidenten kurzfristig zu schaffen, dient aber dem Guten der Sache. Am Ende geht es immer um die Entscheidung des Abwägens – gegen den Terror. Für den Frieden. Mit welchen Mitteln? Rechtfertigt das Retten hunderter Menschen den kaltblütigen Mord an Unschuldigen? Diese Frage stellt sich in der Serie immer wieder – eine Frage, die auch hier ungern von Politikern beantwortet wird. Denn eine richtige Antwort gibt es nicht.

Nach dem x-ten Mord fragt man sich ohnehin besorgt, ob Jack Bauer auch einen guten Psychologen an der Hand hat. Alles wird mit stoischem Gesicht ausgeführt; was ich tun muss ist nicht schön, muss aber sein. Ebenso klar laufen Gespräche und Beziehungen ab, Gefühle spielen bei diesen Missionen eine untergeordnete Rolle. Man könnte auch sagen: mit solche Nichtigkeiten wird nicht viel Zeit verschwendet. Ein typisch kurzer Dialog: „Was du gesagt hast, ergibt keinen Sinn“, „Ich habe keine Zeit, Dir das zu erklären“. Gehorsam und Funktionalität sind die Grundpfeiler dieser Serie, gleichsam den Grundpfeilern der amerikanischen Gesellschaft, denn sie allein garantiert das Vertrauen in sich und in ihren Präsidenten. Eine Umarmung und der Satz  „Das war die richtige Entscheidung“ von Jack Bauer gleicht einer Heiligsprechung.  Selbst die Aussicht auf den Tod kann den Erhörten da nicht mehr erschüttern. Kein Wunder also, dass man sich als Zuschauer auf dem heimischen Sofa nach einer Weile ziemlich armselig vorkommt. Was hat man schon geleistet im Vergleich zu Jack Bauer? Den Kaffee im Büro gegen die Kollegen verteidigt? Selbst das ging nicht immer erfolgreich aus. Wenden wir uns lieber wieder dem Bildschirm zu und beschränken uns aufs Applaudieren. Aber: habe ich diese Aktion nicht schon gesehen? Unendlich die Anzahl der Umarmungen von Jack und seiner Tochter. Unendlich die „wir haben nur noch diese eine Chance“ Momente, unendlich die Einstellungen von nicht namentlich genannten Mitarbeitern, die in dunklen Räumen wie wild auf Computertastaturen herum klimpern. Dazu stets der gleiche Text: „Wie lange dauert die Fangschaltung?“ Wir als Zuschauer wissen: zu lange.

Aktuell läuft in Deutschland die achte und letzte Staffel derzeit auf dem Sender Sky, abschließend folgt noch ein abendfüllender Kinofilm um Jack Bauer und seine Crew der CTU. Danach sind wir wieder auf uns alleine gestellt, die Welt von Terror und Wahnsinn zu erlösen. Aber wer weiß, vielleicht steht ja schon der nächste Held bereit, sein Leben für uns zu opfern. Was mir nach 48 Folgen bleibt ist der unbestimmte Wunsch nach hellen Räumen, guter Laune und die Hoffnung, dass die Welt vielleicht doch nicht ganz so schlecht ist wie ihr Ruf. Denn am Ende siegt immer das Gute. Bestimmt!

Weitere Infos:
Fox

Artikel veröffentlicht von Rebecca am: 17.03.10

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Ein Kommentar to “24×8=Das Gute siegt”

  1. die serie werde ich mir auch noch irgendwann vorknöpfen.
    aber ich schaffe es ja noch nicht einmal die sopranos zu ende zu schauen.
    den “Zeit ist etwas, dass wir nicht haben!”

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