MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik
„Ich bin nichts weiter als eine haarige Zigarette, die hoffentlich von einem schönen, süchtigen Mund geraucht wird“, Felix Kubin. (Quelle: Avataradio)
(Rebecca Hildenhagen)
Utopie ist für die Musik von Felix Kubin sicher kein Fremdwort. Ebenso wenig für das MaerzMusik Festival, dass im Rahmen der Berliner Festspiele alljährlich aktuelle elektronische Musik präsentiert und sich auch gleich Utopie (verloren) als thematischen Oberbegriff auf die Fahnen schreibt. Die Sophiensaele in Berlin als ein bekannter Produktionsort für freies Theater und Tanz bieten für die Veranstaltung von Felix Kubin/ensemble Intégrales einen hervorragenden Rahmen. Das Live-Konzert ECHOHAUS für 6 Räume und Kopfhörerensemble findet in vier Etagen der Spielstätte Sophiensaele statt.
ECHOHAUS – Felix Kubin & Ensemble Intégrales
Nach einer kurzen Einführung durch Felix Kubin persönlich über Gegebenheiten und Durchführung des Projekts an die Zuschauer (leise laufen, bitte nicht sprechen) ist man auch schon mittendrin im Geschehen. Ausgangs- und Endpunkt (Abhörraum) ist der Ort, an dem alle Klänge der Musiker zusammenlaufen und sich am Mischpult zu einem Stück verbinden. Langsam beginnen die Zuschauer, sich ihren Weg durch das leicht marode Treppenhaus zu bahnen. Klänge wabern von irgendwo durch die Luft, der alte Holzboden knarrt, Menschen wandern leise und still durch die Flure und man hat das Gefühl, als ob sich Geister ihren Weg durch das Haus bahnen. Man selbst ist Teil dieser Performance, überall sind Mikrofone installiert, die jedes Geräusch, jedes geflüsterte Wort in den Abhörraum transportieren.

© 2010 Sonia Garcia Moreno
In dem großen Festsaal sieht man ein Klavier, das mit Stöcken und Bällen von einer Musikerin bearbeitet wird. Durch Kopfhörer ist sie mit den Musikern in den anderen Räumen verbunden, der Zuschauer selbst erlebt – ähnlich einer Aufnahmesituation im Studio – hier nur die isolierte Form des Ensembles. Man befindet sich also in einer umgekehrten Situation dessen, was man durch den Prozess einer Aufnahme im Verborgenen bis hin zum öffentlichen Konzert im gesamten Orchester gewohnt ist. Hier findet das Konzert mit unsichtbarem Orchester statt, die Teilstücke der Musiker werden dagegen sichtbar. Im Hochzeitssaal sitzt ein Drummer und traktiert sein Instrument mit Drahtbürste, Schleifpapier, alten Getränkeflaschen etc. Es hat fast den Eindruck, als ob man einem Geräuschemacher über die Schulter blickt. Ad absurdum wird das Ganze geführt, wenn sich die Violine in der Galerie als bloßes Tonband entpuppt. Da ist er wieder, der Geist im Raum.
Felix Kubin im zarten Alter von ca. 12 Jahren
„Ich interessiere mich für Krach, Sci-Fi Pop, Film, Hörspiel und Ekstase. Kurz gesagt: für elektronischen Anarchismus“, Felix Kubin (Quelle: Klangkrieg). Experimentelle elektronische Musik gilt nicht unbedingt als das universelle Erfolgsmodell aller Musikrichtungen. Sicher wirkt sich der Umstand, dass man als Zuschauer und -hörer aktiv am Geschehen teilnehmen kann positiv auf die eigene Aufnahmefähigkeit auf. Doch allein der Versuch, sich diesem Experiment zu nähern, wird belohnt und sorgt nach der Aufführung für jede Menge Diskussionsstoff. Allerdings… irgendwann fragt man sich dann doch: warum gucken hier eigentlich alle so ernst, als wären sie auf einer Lesung von Helene Hegemann?
Quellen
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Mir hat es sehr viel Spaß gemacht.