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Peaches Christ Superstar

Nach wochenlangen Diskussionen, Absagen und anderen Querelen durfte sie nun also doch noch. Peaches – Berliner Mädchen des Elektro-Punk – brachte gestern Abend ihre ganz eigene, reduzierte Version der Rock-Oper „Jesus Christ Super Star“ auf die Bühne. Ein Abend der Superlative.
(Rebecca Hildenhagen)

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© 2010 Sonia Garcia Moreno

Das Hebbel Theater im Hau 1 war wie zu erwarten bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Zuschauer bestanden aus einer bunt gemischten Gruppe zwischen 18 und 60 Jahren und waren in bester Konzertstimmung. Sicher war sich keiner, was da auf ihn zukommen würde. Die einen erhofften sich eine abgedrehte Live-Performance mit Tanz und Gesang, die anderen ein typisches Konzert à la Peaches. Am Ende war es beides und doch wieder ganz anders.

Mit einigen Minuten Verspätung öffnet sich der Vorhang und präsentiert eine kahle schwarze Bühne. An einem schwarzen Flügel sitzt Chilly Gonzales, rechts von ihm steht Peaches, gekleidet in einen weißen Body, weißen Leggins und um ihren Hals eine Art abstrakter Heiligenkranz. Schon nach den ersten Tönen wird einem klar: Peaches singt. Und wie! Ihre Stimme strotzt vor Kraft, ist voll und selbstbewusst. Man hat das Gefühl, als ob sie all ihren Unmut über dieses ganze Theater der Aufführung durch die Absage der Rechteinhaber in ihre Stimme gelegt hat. Ein fast schon aberwitziges Vorhaben, dass sich die 42jährige da vorgenommen hat. Entgegen dem Original von Andrew Lloyd Webber singt Peaches alle Rollen selbst: Jesus, Maria Magdalena, die Jünger und die Pharisäer. Eine One-Woman-Show, die die Geschichte der letzten sieben Tage Jesu Christi in Anlehnung an die Bibelerzählungen wiedergibt. Vom Einzug in Jerusalem bis hin zur Kreuzigung. Die Darstellung verschiedener Charaktere wird vor allem durch die unterschiedlichen Tonlagen der Stimme verdeutlicht – Gesten werden eher spärlich eingesetzt.

Insgesamt ist die Performance von Peaches sehr reduziert. „…meine Konzerte sind extravagant und spielen mit Übertreibungen. Dieses Projekt erlaubt mir auf alles zu verzichten“, Peaches (Quelle: Hau Berlin). Sicher ist es gerade dieser Ansatz der absoluten Reduzierung, die reine Konzentration auf Ausdauer und Stimme, die dieses Projekt so interessant macht.  Natürlicherweise fokussiert sich durch die mangelnde Aktion auf der Bühne der Blick der Zuschauer mehr auf den Inhalt als auf das Drumherum. Eine angenehme Nebenerscheinung, die dem einen oder anderen Theaterstück auf Berliner Bühnen auch sehr gut tun würde.


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© 2010 Sonia Garcia Moreno

Schauspielerisches Talent ist sicher nicht die stärkste Seite von Peaches; wenn sie mit herunterhängenden Armen auf der Bühne steht und vollkommen ungeschützt wirkt, möchte man sie fast von der Bühne retten, doch allein durch ihre unglaubliche Stimme gleicht sie diese schauspielerische Unsicherheit aus und zeigt, dass sie ganz gut alleine zurecht kommt. Gonzales als treibende Kraft am Flügel tut sein übriges, um dieses kurzweilige Vergnügen von ca. 1 1/2 Stunden voranzubringen. Nach einer kurzen Pause erscheint Peaches goldverpackt in einer Mischung aus American Apparel-Turnanzug und Astronautenkostüm. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt und man merkt deutlich, dass die Zuschauer sich nicht recht entscheiden können, ob sie jubelnd in die Höhe springen oder – typisch Theater – brav in ihren Sesseln sitzen bleiben sollen. Kurz vor der finalen Kreuzigung verschwindet Peaches unter der Bühne und von der Decke schwebt ein riesiger Penis in Form eines Kreuzes hinunter. Tänzer wirbeln auf der Bühne herum, während Peaches an Drahtseilen vor das Kreuz gezogen wird – mit goldenem Dornenkranz singt sie ihr letztes Lied hinunter zu der johlenden Menge. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Ganz auf Übertreibung und Provokation zu verzichten ist dann wohl doch nicht die Sache von Peaches. Und das ist auch verdammt gut so!

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© 2010 Sonia Garcia Moreno

Artikel veröffentlicht von Rebecca am: 26.03.10

Quellen

  • Bilder - Sonia Garcia Moreno
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