Landleben oder Die Mücke sticht wenn das Licht ausgeht
Es gibt sie noch. Diese kleinen, heimeligen Fleckchen Erde an denen die Zeit still zu stehen scheint und die Welt „da draußen“ nur noch ein fliegender Gedanke ist. (von Rebecca Hildenhagen)
Die Rebe blüht, ihr linder Hauch
Durchzieht das tauige Revier,
Und nah und ferne wiegt die Luft
Vielfarb’ger Blumen bunte Zier.
Wie’s um mich gaukelt, wie es summt
Von Vogel, Bien’ und Schmetterling,
Wie seine seidnen Wimpel regt
Der Zweig, so jüngst voll Reifes hing.
Annette von Droste-Hülshoff, Der Säntis, Frühling
Besser kann man es wohl kaum beschreiben, wenn man – freiwillig oder gezwungen durch Eyjafjallajökull – Tage und Wochen am Busen von Mutter Natur verbringt und dabei feststellt: schön is’ es doch! Natürlich ist es das, rufen die einen erbost und wackeln drohend mit dem Finger. Nee lass mal, höre ich von der anderen Seite und flugs schließt sich die Balkontür aus Angst vor ungebetenen Gästen mit lästigen Angewohnheiten. Recht hat…ach, lassen wir das. An manchen Tagen stimmt einfach alles, wenn der Fluss mit seiner sanften, gurgelnden Stimme zum Baden einlädt, die Wiesen so grün sind, dass man fast erblindet und der höchste Punkt am Ort eine Erdaufschüttung von ca. 10 Metern ist, der aussieht wie ein halbiertes Ei. Gut zum Rodeln im Winter, schlecht zum Downhill fahren im Sommer, denn der Zaun hält unerbittlich jeden auf, der den Mut (oder den Wahnsinn) hat, sich mit dem Fahrrad dort hinunterzustürzen.
Während manch einer grantelnd auf einem mallorquinischen Flughafen festsaß und von der Ruhe auf dem heimischen Balkon träumte, beschloß ich, meine alte Heimat neu zu erkunden. Fahrradfahren ist in dieser Gegend fast schon ein Geburtsrecht – oder Fluch, je nachdem. Schnell schnell wird die Tasche mit all den Dingen gepackt, die man die nächsten fünf Stunden zwar nicht brauchen wird aber einem das gute Gefühl geben, an alles gedacht zu haben. Als da wären Flickzeug, Handtuch, Luftpumpe, Wasser, Brote, Pulli, extra Jacke, extra T-Shirt, Sonnenbrille, Mobiltelefon, Kamera usw. Radtourismus ist in Deutschland mittlerweile ein Milliardengeschäft, denn die Deutschen entdecken ihre Heimat neu – in Zeiten der WirtschaftsKRISE, VulkanKRISE und sonstiger Krisen sicher keine schlechte Idee. Zwar wird man auf Partys mit Erzählungen über die Radtour durch den Schwarzwald seine Mitmenschen nicht gerade vom Hocker reißen, aber mittlerweile ist es immerhin nicht mehr nötig, sich Geschichten über einen Zweikampf mit einem gelben Säbelzahntiger aus den Fingern zu saugen um mal „echt cool“ rüber zu kommen. Doch damit nicht genug. Jährlich wird ein Umsatz in Höhe von ca. 9,16 Milliarden Euro durch Fahrradtouristen generiert, berichtet der Deutsche Tourismusverband. Eine enorme Summe, die stetig weiter ansteigt. Grund genug also, um sich selber mal wieder auf das verrostete Stahlroß zu schwingen.
Was dabei herausgekommen ist? Natürlich der Tipp fürs Wochenende: Neben den bekannten Exportschlagern wie Käse, Tulpen, Frikandel und – jaaaa, hier muss es einfach mal gesagt werden – Fußballspielern, hat unser Nachbarland Niederlande natürlich noch mehr zu bieten. Zum Beispiel das kleine Städtchen Millingen am Rhein. An sich nicht besonders bemerkenswert, doch macht man sich auf und erkundet per Pedes oder mit dem Rad das umliegende Naturschutzgebiet Düffel mit einer Fläche von über 10.000 ha hat man schnell das Gefühl von Urlaub im Süden. Ein Sandstrand lädt zum (Sonnen-) Baden ein, freilaufende Galloway Rinder grasen friedlich auf den Wiesen, Heidelandschaften blühen in prächtigen Farben und jede Menge Vogelvieh lädt zwitschernd zum verweilen ein. Doch wenn einen plötzlich das absurde Gefühl überkommt, dass das alles zwar ganz schön, aber auch ganz schön kitschig ist, steht man plötzlich vor einer alten Steinmauer. Das Paradies hat einen Namen: Theetuin.
Ein Garten wie in Tausend und einer Nacht, bepflanzt mit den unterschiedlichsten Bäumen und Sträuchern hat der Gast jede Menge zu entdecken. Liebevoll arrangiert und gestaltet befindet sich der Besucher in einer perfekten Idylle, abgeschirmt von der Außenwelt lässt sich hier wunderbar ein Tag bei Kaffee und Kuchen verbringen. Neben den Kräutergärten, dem kleinen Bambuswald und der marokkanisch anmutenden Inneneinrichtung findet man auch eine gemütliches Gartenhaus zum Tee trinken und faulenzen. Ein absolutes Muss für jeden Naturburschen, der die Gegend um Nijmegen, Niederrhein und Gelderland erkunden möchte.
Quellen
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Ein Kommentar to “Landleben oder Die Mücke sticht wenn das Licht ausgeht”
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schön :)






















schrieb am 29. April 2010 um 22:59 :