Alle Jahre wieder… singt das Sommerloch
Spätestens nächsten Montag, dem Tag nach dem großen Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, beginnt das große Gähnen in der Nachrichtenlandschaft. Oder anders: das Sommerloch tut sich auf. Ein Jahr lang verschwand dieses ungeliebte Wort in den tiefen der Agenturschubladen, wurde vernachlässigt und nicht beachtet, bis es im Sommer wieder seinen großen Auftritt hat. Och nö, nicht schon wieder… (von Rebecca Hildenhagen)
Es ist doch ein Phänomen. Steigt die Temperatur im neuen Jahr zum ersten Mal auf 30°C, ist es gleich „der heißeste Tag des Jahres“. Dazu passend liefern die Bild- und Nachrichtenagenturen die allseits beliebten Fotos von bikinitragenden jungen Damen, surfenden Hunden und sonnenbebrillten Kindern. Es überkommt einen der Verdacht, dass man dies alles schon mal irgendwo gesehen hat…
Meist eröffnen die Massenmedien den Sommer mit einer Ansammlung der immer wieder heraus gekramten Bildergalerien vom Leipziger Gothic-Treffen und leiten über zu den reflexartig wiederholten Aufnahmen vom Spring-Break in Kalifornien. Anschließend entflieht passenderweise gerne mal ein kleines Krokodil, eine Würgeschlange oder ein Bruno, um anschließend von DEM Sommerhit des Jahres besungen zu werden. Langsam nähern wir uns dem sogenannten Sommerloch. Dieses zeichnet sich durch Themen aus wie: weiß besockte Herrenfüße in den unvermeidbaren Sandalen, überfüllte Freibäder, Massengrillveranstaltungen im Berliner Tiergarten, sogenannte Expertenmeinungen zu Fragen wie: Flip-Flops im Büro – ja oder nein? Kurzärmliges Hemd ohne Krawatte, oder muss ich mir morgen meine Kündigung abholen? Wieviel Hitze verträgt ein Mensch? Wieviel Liter Wasser sind genug?

Natürlich betrifft diese jährliche Wiederholung nicht nur den Sommer. Auch beliebt sind der Frühjahrsbeginn, die Winterzeit und Silvester. Feststehende, ständig wiederkehrende Ereignisse also, die den alltäglichen Lebensrhythmus vermeintlich unterbrechen und für etwas Abwechslung und Aufregung sorgen. Soweit man von Aufregung sprechen kann, bei einem Ereignis wie den Jahreswechsel. Aber wahrscheinlich ist es ähnlich wie mit den Weihnachtsgeschenken. Ich weiß, dass der 24. Dezember in 172 Tagen vor der Tür steht und könnte jetzt schon fröhlich und entspannt die Geschenke kaufen. Genauso gut weiß ich aber auch, dass ich niemals auf diese alberne Idee kommen würde, ich lieber drei Tage vor Heiligabend in Panik gerate und mich verzweifelt mit tausenden anderer Irrer durch die hektisch blinkende und glitzernde Shoppingwunderweihnachtswelt schiebe, auf der Suche nach einem halbwegs geeigneten Präsent für meine Liebsten. Was lernen wir also daraus? Zum einen: der Mensch besitzt ein Gedächtnis wie ein Sieb und vermag auch aus Jahren leidvoller Erfahrungen nichts zu lernen. Zum anderen macht es doch immer wieder Spaß, sich über die ewig wiederkehrenden Dinge aufzuregen. Das Murmeltier lässt grüßen!

Quellen
Fotos – ©rifkahÄhnliche Artikel
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