Es geht noch lauter! – Selber mastern Teil 2
Du hast gerade einen Hammer-Remix fertig und Wochen damit verbracht alles perfekt klingen zu lassen, aber er pumpt immer noch nicht wie die fetten Tracks im Club. Keine Sorge – du brauchst professionelles Mastering und wir versuchen dir dabei zu  helfen! (von 5aint / DJ TechTools)

Illustration: ©2010 NeuroPeach (VRU Berlin)
Vor ein paar Tagen haben wir euch zusammen mit DJ TechTools den ersten Teil der Mastering Anleitung präsentiert, in der wir mit Größen aus der Industrie über ihre Vorstellung von Mastering geredet haben. Jetzt erklären wir euch den Prozess und eklären Schritt für Schritt den Weg zum perfekten Mastering.
Bevor es losgeht:
Man sollte niemals unterschätzen, wie wichtig es ist, dass die ursprüngliche Abmischung so gut klingt wie möglich. Außerdem sollte man wissen, welchen Sound man am Ende erreichen möchte, BEVOR man mit dem Mastering anfängt. Wenn man am Anfang nicht weiß, wo man hin möchte, wird man auch nirgendwo ankommen! Mastering kann keinen kaputten, fiesen Sound gut klingen lassen. Aber es kann einem schon sehr guten Track den fehlenden Schliff und Druck verpassen.
Man kann sich den Vorgang des Masterns wie das Würzen von Speisen, etwa das Salzen, vorstellen. Salz ist ein Geschmacksverstärker und hebt den schon vorhandenen Geschmack vor. Es kann kein göttliches Festmahl aus ranzigem Viehfutter machen. Und zu viel Salz kann zum Herzinfarkt führen. Mit dem Mastering ist es dasselbe. Wenn die Zutaten von hoher Qualität und ausgewogen zusammengestellt sind, wird das Mastering sie noch weiter verbessern. Wenn aber eine Bassdrum schwach und schlecht gepegelt ist oder eine Bassline nicht im Rhythmus läuft, kann auch Mastering nicht mehr helfen.
Los geht’s!
Wenn der Track fertig ist und man total zufrieden mit allem ist, sollte man ihn erst einmal ein paar Tage liegen lassen. Danach sollte man irgendwann wieder ins Studio gehen und sich vielleicht erst einige aktuelle kommerzielle Stücke ähnlichen Stils in leiser bis mittlerer Lautstärke anhören. Man sollte sie sich sehr genau anhören und hören, wie sie im eigenen Raum klingen.
Nun sollte man ein neues Projekt anlegen und die Stereospuren von einem der Tracks, deren Klangbild man erreichen möchte, importieren. Diese Spuren müssen natürlich die ganze Zeit frei von Plug-ins bleiben, also am besten direkt in einen separaten Master-Ausgang gespeist werden. Die Plug-ins, die später auf den eigenen Track angewendet werden, dürfen nicht in die Signal-Kette des anderen Tracks geraten. Also wenn das Ausgangssignal durch einen Limiter oder Exciter läuft, müssen auch diese entfernt werden und ein Mix-Down des unbehandelten Tracks gemacht werden. Es sollte so wenig wie möglich an dem File bearbeitet sein, dasmm man verwendet.
Jetzt importiert man den Mix in eine eigene Spur und prüft, ob er genug Headroom (Spielraum in der Lautstärke vor dem Übersteuern) hat. Dazu spielt man das Stück an der lautesten Stelle ab und behält den Lautstärke-Ausschlag im Auge, wenn er sich dauernd um die 0 dB bewegt und immer wieder in den roten Bereich knallt: leiser machen! Das heißt nicht, dass man den Schieberegler des Kanalmixers runterschiebt, sondern dass man etwas vom Gain wegnimmt, zwischen 3-4 dB. Man braucht Raum zum Arbeiten und will nicht, dass die Plug-Ins später bei erste Gelegenheit übersteuern.
Bus Kompression:
Einen Kompressor auf den gesamten Mix anzuwenden, bezeichnet man als Bus-Kompression. Dies macht man, um sicher zu gehen, dass die Dynamik den ganzen Song über möglichst gleich bleibt. Er neigt dazu, alle Elemente zusammenzufügen, und gleichzeitig den Eindruck des Tracks nicht zu verfälschen.
Man stellt zunächst die Kompressionsrate auf einen Wert zwischen 2:1 und 3:1, Attack, also den Anschlag auf 1/4 der möglichen Skala und den Release, den Nachklang, entweder wie Attack oder auf Automatik. Nun sollte man noch einmal den Input angleichen bzw. den Threshold, bis man auf einen maximalen Ausschlag von 3-4 dB auf der Lautstärkeanzeige an den Spitzenausschlägen des Tracks kommt. Der Trick ist hierbei keine starke Kompression anzuwenden, sondern einfach einige Frequenzen in einem musikalischen Sinne zu verschmelzen. Längere Anschlagszeiten mit geringeren Verhältnissen sind hierbei hilfreicher um soviel Transparenz wie möglich bewahren. Der Kompressor sollte sehr schnell greifen, aber möglichst unhörbar und nie mehr als 3-4 dB der Originallautstärke beschneiden. Der Output sollte nun genauso eingestellt sein, dass die Ausgabelautstärke die selbe ist, wie ohne jegliche Kompression im Bypass-Modus.
Die Equalizer-Einstellungen
Als nächstes kommt der Multiband-Equalizer zum Einsatz und – wenn das Plug-in keinen besitzt – noch ein zusätzlicher Hi-Pass/Lo-Cut Filter. Den Filter setzt man auf ungefähr 30Hz und schneidet alles darunter ab. Man wird überrascht sein, wie viel mehr Druck plötzlich auf den tiefen Frequenzen liegt. (Man kann versuchen den Filter vor die Bus-Kompression zu setzen, falls die Gain Reduktion zu viel Druck aus dem Sound nimmt).
Jetzt werden noch andere störende Frequenzen herausgeschnitten, indem man mit dem Referenz-Stück bei gleicher Lautstärke vergleicht (dabei sollte man den Regler des zweiten Tracks anpassen und nicht einfach den eigenen lauter machen). Man sollte die Center-Frequenzen einmal von vorne bis hinten durchschieben und sich auf dann immer auf das jeweilige Areal konzentrieren. Zum Beispiel der Bassteil; ist der eigene Mix matschig im Vergleich zu dem anderen? Falls ja, beschneidet man bei 250 Hz und überprüft, ob es nun besser klingt. Anfangs sollte man mit kleineren Arealen beginnen, die Stelle finden, an der die meisten Störungen und Ausreißer sind und dann den Bereich so weit verbreitern wie nötig. Auf die gleiche Weise geht man selbstverständlich bei den Mitteltönen und den Höhen vor.
Nun zur Verstärkung…
Ist man irgendwann mit der Frequenzregelung zufrieden, kann man wieder anfangen Dinge hinzuzufügen. Man sollte vielleicht mit einem linearen Phasen-Equalizer beginnen, da diese Plug-Ins etwas transparenter sind und weniger ungewollte Artefakte beim Mix hinterlassen.
Vielleicht kommt die Kickdrum besser heraus wenn…
…man eine Frequenz um  80 bis 100 Hz verwendet.
…man eine sehr schmale Bandweite benutzt und vorsichtig mit einer zugeschalteten Verstärkung umgeht, man sollte nicht mehr als 2-3 dB hinzufügen müssen, sonst war schon vorher etwas nicht okay. Man sollte immer im Auge behalten, die Q-Punkte im parametrischen Equalizer niedrig zu halten.
Nun zum oberen Ende des Klangspektrums. Vielleicht muss man ein paar mittlere Höhen und einen Hi-Shelf mit einem Boost von 8-10kHz hinzugeben um ein wenig Schärfe hinzuzufügen.
Wunderbar… jetzt sollte man erst einmal eine Pause einlegen, um später die Ergebnisse mit einem weniger vorbelastetem Gehör überprüfen zu können, da sich das Ohr sehr schnell an einzelne Frequenzausreißer gewöhnt und diese selbst ausgleicht. Klingt gut? Großartig! Wenn nicht, dann muss man mit dem Equalizern noch einmal beginnen. Jetzt vollkommen zufrieden? Dann machen wir das ganze jetzt Radio-tauglich …
Make it LOUD!
Man macht sein Stück nicht lauter, indem man die Monitorboxen lauter dreht, sondern indem man einen Peak Limiter hinzufügt. Anfangs sollte man es vielleicht mit den Attack- und Release-Zeiten bei den Standardeinstellungen belassen, da falsche Einstellungen dort leicht für einen überzogenen oder auch leblosen Mix sorgen können. Man sollte den Output einfach auf einen Wert zwischen -0,5dB und -0,1dB einstellen, wenn man wirklich sicher gehen will oder die Datei am Ende als MP3 ausgeben will. Außerdem sollte man den Threshold oder den Input herunterregeln, während man dabei den Track laufen lässt. Man wird sehen, wie die Ausschläge nach oben gehen und der Sound sich besser anhört.
Jetzt ist es an der Zeit das Metering des Referenz-Tracks zu vergleichen. Man will ja hinbekommen, dass beide ähnlich aussehen (ein Spektral-Analyse-Plug-In ist hier genau das Richtige, wenn man denn eines hat). Wenn sich dort im eigenen Stück kaum Bewegungen zeigen, könnte das ein Zeichen sein, dass bei dem Track alles permanent auf Anschlag steht – nicht gut… außer natürlich, es ist genau das, was man erreichen will. Es kann aber schnell passieren, dass man sich hier mitreißen lässt und es übertreibt.
Genießen, nicht schießen!
Wenn man die gesamte Produktion inklusive des Masterings selbst macht, ist es sehr wichtig immer wieder Pausen einzulegen. Es ist unglaublich, wie leicht uns unsere Ohren über’s Ohr hauen. Das Gehör passt sich schnell an und wir hören was wir erwarten, und nicht was tatsächlich da ist. Sich alles auch auf anderen Systemen anzuhören ist ebenfalls Pflicht. Man sollte seinen Track mit anderen Songs zum Vergleich auf seinem CD-Player in der Küche, im Auto und im Wohnzimmer hören. Einer der wichtigsten Punkte beim Mastern und Abmischen ist, sicher zu gehen, dass es auf allen Anlagen so gut wie möglich klingt. Schliesslich hat man so viel Arbeit in sein Kunstwerk gesteckt, da will man auch dass es überall gut klingt – und die Extra-Zeit, die man ins Mastering gesteckt hat, wird sich in der „Referenz-Hören“-Phase langfristig auszahlen.
Eins noch… wenn, wie im letzten Artikel schon beschrieben ein Label deine Arbeit mag und veröffentlichen möchte, sollte man herausfinden ob sie es auch Mastern werden. Wenn ja, sollte man daran denken ihnen den Original-Mix für’s Mastering zu schicken, und nicht den bearbeiteten. Jeder Mastering-Experte wird einen verfluchen und ernsthafte Problem damit haben, mit einem schon gemasterten File zu arbeiten.
(Dank an Simon Kock!)
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