Innen Stadt Außen – Olafur Eliasson
„Museum? Boah nee, is doch öde…“. Wer kennt sie nicht, die entsetzten Blicke. Museumsbesuchen haftet trotz vielfältiger Angebote immer noch ein Hauch Verstaubtheit, Langeweile und „null Action“ an. Ein Aufruf. (von Rebecca Hildenhagen)
Jeder von uns hat ja so seine Macken, die einen angeblich gerade deshalb so liebenswürdig machen. Der eine mag Erbsen aus der Dose, der andere wäscht seine Socken nur mit der Hand und der Dritte läuft bei -10°C mit nackten Füßen durch das Eis. Ich z.B. habe mich als 10jährige auf der örtlichen Kleinstadtkirmes in ein Spiegelkabinett gewagt, dass dort als der absolute Wahnsinn galt. Nachdem ich zur Belustigung der umstehenden Zuschauer 45 Minuten lang innerhalb dieses gläsernen Kastens umhergeirrt bin, fand ich schließlich nicht nur den Weg in die ersehnte Freiheit, sondern damit auch zu der Erkenntnis, dass A: jegliche Art von Vergnügungen, die auf -kabinett enden, in Zukunft von mir gemieden werden, B: ich nie mehr in einen Raum gehe der enger ist als eine Tiefkühltruhe und C: kandierte Äpfel total überbewertet sind.
Natürlich geriet das ganze Erlebnis irgendwann in Vergessenheit, aber als ich zum ersten Mal durch die Ausstellung Innen Stadt Außen des dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson ging und in dieser riesigen, wunderschönen Spiegelfolienpyramide stand, musste ich doch sehr schmunzeln. Mittlerweile habe ich mir diese Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zweimal angesehen und entdecke bei jedem Besuch etwas Neues. Das Faszinierende an Eliassons Arbeiten ist die Tatsache, dass man Teil dieser Installationen wird. Die eigene Körperbewegung und Wahrnehmung der Sinne greift in die Arbeit ein, führt sie weiter und verändert sie.
Olafur Eliasson – Round Rainbow, 2005
Olafur Eliasson – Your blind movement, 2010
Olafur Eliasson – The weather project, Tate Modern, London, 2004
Die Dinge wirken oft so einfach, anrührend simpel und gleichzeitig faszinieren sie unglaublich. Man kann stundenlang dabei zusehen, wie sich das Licht in einem kreisenden Plexiglasring bricht und ist immer wieder irritiert, wie schön es ist. Es hat fast den Eindruck, als ob Eliasson den Erwachsenen die Möglichkeit gibt, wie ein Kind staunend vor einem Objekt zu stehen und nicht den Eindruck völliger Abgeklärtheit erwecken zu müssen. Da turnen Männer wie Frauen jeglichen Alters vor einer Reihe bunter Lichter herum, um ihre eigene Schatten zu produzieren und haben dabei jede Menge Spaß. Oder der Besucher tastet sich langsam und unsicher durch bunte Nebelräume in eine andere Welt, blind und allein auf sein Gefühl vertrauend. Stolpert man wieder hinaus ins freie und zugleich auch das Ende der Ausstellung, müssen sich die Augen erst einmal wieder an die neue Perspektive gewöhnen. Vielleicht schafft man es ja, dieses Gefühl der differenzierten Wahrnehmung und die bisherigen Vorstellungen von Natur infrage zu stellen und auf den eigenen Alltag zu übertragen, wenn man den Martin-Gropius-Bau verlässt und wieder die Stadt betritt. Es wäre wünschenswert.
Leider endet die Ausstellung am 9.08.2010. Meine Empfehlung: unbedingt hingehen! Weitere Arbeiten von Olafur Eliasson sind u.a. in der Sammlung Boros in Berlin zu sehen.
Olafur Eliasson – Water Pendulum, 2010
Olafur Eliasson – New York Waterfalls, Brooklyn Bridge, 2008
Innen Stadt Außen
Martin-Gropius-Bau
Öffnungszeiten: 9 – 22 Uhr
Eintritt: € 11,- / € 8,-
Quellen
Fotos: ©Robin PrestaÄhnliche Artikel
-
FischGrätenMelkStand oder Adieu Kunsthalle
Es ist soweit. Mit dem Abschlussprojekt FischGrätenMelkStand verabschiedet sich die Temporäre Kunsthalle von Berlin und ...
-
The great Strandpfirsich-Besichtigung – Peachbeach
Endlich war es soweit. Unsere drei Beachboys Falk Hoger, Attila Szamosi und Lars Wunderlich eröffneten ...
-
Based in Berlin – eine Ausstellung
„Alles was heute von Künstlern produziert wird, egal ob im Netz, auf der ...
-
Backjumps Junior Issue
Seit letzten Freitag ist die BACKJUMPS JUNIOR ISSUE eröffnet, hier ein paar Impressionen, mit dem ...
















