Mein Gehirn als Suchmaschine – Selbst denken in Zeiten von Google
Wann habt ihr, verehrte Leser, das letzte Mal in einem Duden geblättert? Oder anders: wann wurde das letzte Mal auf eurem Rechner eine Suchanfrage bei Google gestartet? Jetzt gerade? (Rebecca Hildenhagen)
Neulich saß ich mit zwei Freunden am Tisch und wir unterhielten uns über dies und das bis die Frage aufkam, welcher Film in der Serie Alf (1. Staffel, Folge 20) parodiert wird. Flugs folgte der Griff zum Laptop, um Google um die richtige Antwort zu bitten.
Mittlerweile schon eine ganz alltägliche Reaktion. Doch was sind eigentlich die Folgen, dass wir uns so selbstverständlich auf Google & Co verlassen? Oder Wikipedia, wo jeder sein Halbwissen zum Besten geben kann, auf das es sich zusammen mit dem Halbwissen anderer zu „einer Enzyklopädie aus freien Inhalten in allen Sprachen der Welt“ (Wikipedia über Wikipedia) zusammensetzt. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Seiten im Netz, die dem Nutzer auf der Suche nach Information behilflich sind. Das Problem der „uneingeschränkten Wahrheit“ ist vielen Lehrern sicher wohl bekannt. Nicht selten kommt es vor, dass sich die Lösungen der Schüler verdächtig nah an den ersten zehn Suchergebnissen bei Google orientieren. Zudem gibt es eine unendliche Anzahl an Seiten, die Hausaufgaben für Schüler umsonst anbieten, Bachelor- Studien- Masterarbeiten usw. gegen einen geringen Aufpreis. Eine praktische (wenn auch nicht immer sinnvolle) Sache, doch mittlerweile wissen sich die Lehrer (leider) ganz gut zu helfen.
Der „Plagiarism Finder“ ist eine Software, die überprüft ob Passagen aus dem Internet abgekupfert sind. Doch das Problem ist sicher nicht die Nutzung des Internets, denn wer auf ein striktes Verbot für Schüler pocht, verweigert diesen auch die differenzierte Möglichkeit der Recherche. Gefährlich wird es doch erst dann, wenn aus Gutgläubigkeit oder Faulheit angenommen wird, dass das, was im Netz zu lesen ist, schon alles seine Richtigkeit hat. Nicht umsonst lernt schon manch ein Viertklässler in der Schule, wie man recherchiert, die Relevanz der Einträge abschätzt und das Internet produktiv nutzt.

Illustration © 2010 Rifkah
Das Internet ist so schön bequem, hat mir mal jemand gesagt. Man braucht nur aufs Knöpfchen drücken und schon hast du alle deine Fragen beantwortet. Warum also sich noch die Mühe machen und in einen Buchladen oder eine Bibliothek gehen? Mit dieser Frage werden auch die Bibliotheken und Büchereien immer öfter konfrontiert und führen zusammen mit den Schulen Kinder an ihre Institutionen heran, die bisher „freiwillig“ keinen Kontakt mit dem Medium Buch aufgenommen haben. Gibt es eigentlich schon Studien darüber, ob Google und andere Suchmaschinen die Leistung unseres Gehirns schmälern? Oder wie sieht es mit unserem Sprachschatz aus? Die deutliche Zunahme an medienbedingten Abkürzungen bei Skype, SMS, Twitter usw. ist ja nicht zu übersehen. Da kann die verbale Interaktion schon einmal in den Hintergrund treten und der Smiley die Kontrolle übernehmen. Denn das Hauptproblem bei der textlastigen Unterhaltung ist und bleibt die Ironie. Ein ;-) hinter jedem Satz signalisiert Entwarnung und sorgt dafür, dass die gute Stimmung :-) bleibt.
Angeregt durch einen Artikel in der Sunday Times kam 2009 in vielen Blogs die Frage nach einer „Grünen Suchmaschine“ auf. Alex Wissner-Gross veröffentlichte in der Times Forschungsergebnisse, nach denen zwei Suchen bei Google genau soviel Energie verbrauchen, wie das Erhitzen von Wasser für eine Tasse Tee, oder anders ausgedrückt: Google erzeugt seiner Berechnung nach 7g CO2-Emissionen (Google selbst geht von 0,2 Gramm CO2 pro Suchanfrage aus). Doch was bedeutet das? Wenn ich, anstatt in die Bibliothek zu fahren, eine Suche auf Google starte um meine Informationen zu bekommen, sorgt diese Nutzung von Google für eine Senkung der Emissionen. Oder anders herum?
Anmerkung: Der Film, der in der Alf Folge Nr. 20 parodiert wird ist übrigens „Das Fenster zum Hof“ von Alfred Hitchcock. Wir haben es am Ende doch noch herausgefunden. Ganz ohne Google.
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4 Kommentare to “Mein Gehirn als Suchmaschine – Selbst denken in Zeiten von Google”
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Herrliche Illu-Animation!
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Sehr guter Artikel.
Mein Kollege und ich befanden uns vor gar nicht mal so langer Zeit in einer ähnlichen Situation und es kam genau das gleiche Thema auf. Es war Sonntag Morgen und wir waren auf dem Heimweg von einem Gig irgendwo in der Pampa. Ich weiss nicht mehr, worum es genau ging, aber wir fragten uns irgendwas und ich zückte das iPhone und sagte: “Hier google mal.”
Wir zwangen uns dann aber doch nach reger Diskussion zum Nachdenken und kamen auch so zu einem Ergebnis – ohne Google. ;-) -
I DON´T KNOW, GOOGLE IT.
gibt bestimmt schon t-shirts mit dem aufdruck.

















schrieb am 9. August 2010 um 16:44 :