Pump’ rauf die Marmelade! – Selber mastern Teil 1
So, du bist also ein hart arbeitender DJ und machst mittlerweile schon Edits und Remixe, die sich richtig derbe im Studio anhören, aber es im Club trotzdem nicht so bringen, wie aktuelle Veröffentlichungen. Wie kann das sein? Welche verdammten Geheimnisse kennen die Profis, die du nicht kennst? (von 5aint / DJ TechTools)

Illustration: © 2010 NeuroPeach (VRU Berlin)
Freundlicherweise haben uns DJ TechTools ihren Artikel über Mastering zur Verfügung gestellt, so dass wir ihn jetzt auch für deutschsprachige Leser bereitstellen können. Morgen präsentieren wir euch dann den zweiten Teil mit einer Schritt für Schritt-Anleitung zum Mastern des eigenen Materials.
Meistens lässt sich die Frage in einem Wort beantworten – Mastering! Um etwas Licht ins Dunkel dieser oft unverstandenen Kunst zu bringen, hat sich 5aint mit John Cuniberti, einem der führenden Gurus des Masterns, getroffen, um diesen Prozess zu entmystifizieren. Cubinerti fing als Live-Mischer für Stevie Wonder an und hat mittlerweile über tausend Alben gemischt, unter anderem DJ Shadow, Tracy Chapman und die Dead Kennedys. Außerdem war er maßgeblich an Hard- und Software-Entwicklung von Mastering-Tools beteiligt.

(…das wird wohl schon etwas länger her gewesen sein, das Foto…)
Vielleicht kannst du uns erklären, was Mastering überhaupt bedeutet.
John Cuniberti: Mastering ist der letzte kreative Prozess in der Produktionskette und die letzte technische Abnahme vor der Vervielfältigung der CD. Allgemein gesprochen – das Ziel ist es, das Hören der CD zu ermöglichen, ohne dass der Hörer währenddessen die Lautstärke und den Equalizer verändern muss. Dies erreicht man durch Frequenz-Angleichung, Kompression und/oder Limitierung. In den richtigen Händen kann das Mastering eine Sammlung guter Mixe in ein großartiges Album verwandeln.
Warum erreicht man das nicht mit einem einfachen Mix-Down und warum ist das Mastering die magische Zutat dabei?
John Cuniberti: Viele Independent-Alben werden unter nicht gerade idealen Bedingungen aufgenommen und abgemischt. Kompromisse in der Raum-Akustik in solchen „Projekt-Studios“ verhindern, dass der Tontechniker in der Lage ist, einen natürlichen Klang umzusetzen. Außerdem kommen Unregelmäßigkeiten beim Sound hinzu, wenn bei jedem Stück unterschiedliche Personen in unterschiedlichen Studios unter wechselnden Bedingungen für die Aufnahme verantwortlich sind. Das Mastering hilft dabei, einen durchgängigen Sound auf einer CD zu schaffen und sorgt dafür, dass ein Album die geforderten Qualitätsmerkmale der meisten Major Label-Veröffentlichungen erfüllt.
Hat sich der Mastering-Prozess durch die enorme Anzahl an Single-Veröffentlichungen im Bereich der elektronischen Musik verändert?
John Cuniberti: Er hat sich nicht verändert, aber das Mastern einer Single beinhaltet nicht so viele Schritte, und grundsätzliche Überlegungen wie bei einem Album. Der Fokus liegt hierbei darauf, einen einzelnen Track so gut wie möglich klingen zu lassen und es nicht auch dem anderen Material eines Albums anzugleichen.
Zu welchem Zeitpunkt sollte ein Musiker professionelles Mastering machen lassen?
John Cuniberti: Wenn sich der Musiker nicht sicher ist, ob seine Abmischung O.K. ist, sollte er sich Rat bei einem vertrauensvollen Mastering-Ingenieur holen.
Welches Datenformat sollte man für professionelles Mastering abliefern?
John Cuniberti: .wav oder .aif in getrennten Mono-Spuren oder Stereo Interleaved. Geliefert auf einer CD, Festplatte oder per FTP-Server.
Jetzt haben wir ein Bild von der Definition des Masterings. In einer perfekten Welt würden jeder seine Tracks zu etablierten und qualifizierten Mastering-Ingenieuren schicken. Aber leider ist das natürlich nicht so einfach. Meistens werden Platten eher auf gut Glück und ohne finanzielle Sicherheit oder Garantie auf Erfolg produziert. Daher muss man meistens selbst dafür sorgen, die Tracks so gut es geht abzumischen. Zum Glück gibt es mittlerweile eine Menge Plug-Ins, die uns dabei helfen können. Also haben wir einfach zusätzlich noch Sonny Wharton und Digital Impression, zwei aktuelle Produzenten aus UK, dazu befragt. Als reguläre Gäste in den oberen Rängen der Beatport und Dance-Charts kennen sie sich mit der Situation gut aus.
Wie geht ihr beim Mastern ungefähr vor?
Sonny Wharton: Ich lasse alle Kanäle ziemlich niedrig laufen, so um die -20 oder -30 dB, danach lasse ich alles auf dem Master Bus durch Logics Gain Plug-in laufen, bevor ich es durch den T-RackS Deluxe 3 schicke. Auf dem T-RackS lasse ich einen EQ in einen Kompressor laufen, dann in einen Limiter und schließlich durch einen leichten Clipper. Durch den Equalizer beschneide ich meistens den Bass leicht und gebe manchmal ein bisschen Druck auf das obere Ende. Aber natürlich hängt das sehr von der Art des Stückes, das ich gerade mische.
Masterst du nach dem Bauen eines Songs oder lässt du alles von Anfang an durch das Mastering laufen?
Sonny Wharton: Ich persönlich baue den Track und mixe ihn mit allem auf dem Master Bus, um Zeit zu sparen und weil ich weiß, wohin das Stück gehen soll. Trotzdem höre ich mir das Stück ab und zu während der Aufnahme im Bypass an, um einen Vergleich zu haben.
Digital Impression: Ja, das ist ein guter Weg, um in den kurzen Zeitfenstern zu arbeiten, die man bei elektronischer Musik heute hat. Du musst nur vorsichtig sein, dass deine EQs nicht gegeneinander arbeiten. Ich bevorzuge es, in einen Bus Kompressor hinein zu mixen, normalerweise „The Glue“.
Macht ihr euer Mastering eigentlich selbst oder schickt ihr auch mal was zum Mastern raus?
Sonny Wharton: Wenn es eine wichtige Veröffentlichung ist oder ich das Gefühl habe, dass es etwas bringt, das Ganze von einem professionellen Ingenieur bearbeiten zu lassen, dann schicke ich es auch raus. Aber für mich ist es meistens eine Kostenfrage, die mich daran hindert, es bei jedem Stück zu tun. Der Release „Brass“ auf Size Records, den ich mit Ant & Paul gemacht habe, haben wir so gemastert, wie ich es eben beschrieben habe.
Digital Impression: Für mich ist es einfach eine Kostenfrage. Jetzt mal ehrlich, eine Menge Veröffentlichungen sind nicht erfolgreich genug, damit es finanziell gesehen einen Sinn hat. Sicher, wenn es so aussieht, dass alles erfolgreich läuft und ein Label dafür aufkommt, würde ich es IMMER zum Mastern schicken – das wurd der Sache gerechter, als wenn man es selber macht.
Ok, also zurück zu John, unserem Mastering-Experten. Was kannst du, was die Musiker nicht können?
John Cuniberti: Nichts, wenn sie bereit sind, ein Gehör dafür zu entwickeln, sich die richtige Ausrüstung besorgen und diese Kunst trainieren.
Es ist doch so, Musiker haben in den späten 60ern angefangen, ihre Platten selber zu produzieren. Dann, in den späten 80ern haben sie angefangen, ihre eigenen Sachen zuhause aufzunehmen und zu mixen. Jetzt, wo es Computer gibt, kann man eine CD mastern und zur Vervielfältigung schicken wie die Großen. Das Problem ist nur: in den meisten Fällen, wenn das Mixen fertig ist, hat der Musiker genug davon, seine Stücke zu hören und hat jegliche Objektivität verloren. Es zum professionellen Mastering zu geben, ist gut angelegtes Geld und es entsteht in 99% der Fälle ein besseres Produkt. Ich mastere selten die Platten, die ich auch abgemischt habe.
Sonny Wharton: Ich stimme zu, dass man die Objektivität verlieren kann. Und manchmal schicke ich meine Sachen am Ende zum Optimieren zu Digital Impression, er hat auch einiges an gutem Equipment.
Wenn unsere Leser ihre eigenen Tracks mastern wollen, was sind die Fallstricke auf die man achten sollte?
John Cuniberti: Sie sollten es nicht mit dem Bearbeiten übertreiben. Sowohl Radiosender als auch Clubs haben eine Kette von Kompressoren und Equalizern. Ich würde einen moderaten Einsatz eines digitalen Look-Ahead Peak Limiter empfehlen, der den Output auf 0.5 dB unter der normalen Skala (0 dB) reduziert um Übersteuerungen zu verhindern und 3-4 dB Peak Limiting, um das Material relativ „laut“ klingen zu lassen. Vorsicht mit den Equalizern, außer wenn man weiß, dass man seinen Lautsprechern wirklich vertrauen kann!
Sonny Wharton: Yeah! Die Dynamik eines Stückes zu zerstören, indem man alles an Druck rausholt, ist der häufigste Fehler, den man macht – jeder scheint zu versuchen, seine Sachen so laut wie nur möglich klingen zu lassen. Das Resultat ist meistens, dass man jegliche Tiefe und Wärme verliert, die elektronische Musik so interessant macht.
Sonny, DI, wurde alles, was ihr so zum Testen spielt irgendwie gemastert?
Sonny Wharton: Ja, alles. Ich würde niemals etwas auflegen, was ich nicht vorher auch gemastert habe.
Digital Impression: Absolut richtig! Das geht gar nicht!
Es gibt kein magisches „Mastere-alles-perfekt“-Plug-in, welche einzelnen Komponenten von welchen Herstellern empfehlt ihr?
John Cuniberti: Eine schwierige Frage, denn da kommt es auf das Geld an, dass man zur Verfügung hat und und die jeweilige Plattform auf der man arbeitet.
Man braucht auf jeden Fall einen guten Equalizer und einen guten Look-Ahead-Peak Limiter. Diese sollten transparent, sauber und Artefakte-frei sein. Erst dann kann man sich mit Equalizern und Kompressoren beschäftigen, die etwas Persönlichkeit einbringen, falls das für das Stück notwendig ist. Ich persönlich benutze den Massenburg DesignWorks EQ und den Oxford Limiter für 75% meiner Mastering-Arbeit.
Ja, da stimme ich zu – der Massenburg ist ein fantastischer Equalizer, für mich ist er besser als der Sonor mit dem Massenburg Add-on. Ich benutze ihn als meinen Power-Equalizer beim Mixen. Unglücklicherweise bringt uns das zu deiner Aussage mit den Plattformen, er funktioniert nur in Pro Tools, und da auch nur in Pro Tools HD.
John Cuniberti: In der Tat. Für die Klangfarbe benutze ich den UAD-2 Pultec, Neve, Precision EQ oder Massive Passive für EQ und den UAD-2 Fairchild, SSL oder Precision Limiter. Für schwere Reperaturarbeiten sind UAD-2 Multiband Limiter, WAVES Restauration Bundle und ihr Center Plug-In Pflicht. Außerdem liebe ich den Massey De-Esser.
Sonny Wharton: Es ist nicht unbedingt das beste Plug-In, was es gibt, aber für wenig Geld gefallen mir die Ergebnisse vom T-RackS 3 ganz gut, daher hab ich es in den letzten 12 Monaten meistens benutzt.
Digital Impression: T-RackS ist toll, und nicht zu vergessen den obligatorischen Waves Ultramiximiser.
John, was wäre die übliche Signal-Ketter für Mastering-Werkzeuge?
John Cuniberti: Bus Kompression, EQ, Peak Limiting.
Noch weitere Tipps zum Do-It-Yourself-Mastering?
John Cuniberti: Ein „Gewusst wie“ über Mastering wäre ein bisschen zu lang, um ihn in einem Artikel wie diesem zu beantworten. Es gibt ein Buch von Bob Katz (Mastering Audio – Über die Kunst und Technik), das alles sehr ausführlich beschreibt, um den meisten Problemen aus dem Weg zu gehen. Aber am Ende erfordert es einfach jede Menge Übung und eine Menge an schlechtem Mastering, um herauszufinden, wie es richtig geht – wenn überhaupt.
Klar ist, dass es viele Werkzeuge zum Mastering gibt, die man danach auswählt, was man mit dem Track machen möchte. Da gibt es Equalizer, Kompressoren, Multi-Band-Kompressoren, Limiter, Frequenzabhängige Limiter, Phasen-Kohärenz und Adjustierung, Stereo-Aufteilung, Verstärker, und so weiter… da gibt es einfach zu viel, um auf Einzelheiten eingehen zu können. Wie auch immer, man sollte aber wissen, dass die wichtigsten Werkzeuge Kompressoren, Equalizer und Limiter sind, und nach langer Debatte, haben wir uns bei DJ TechTools auf die folgenden Plug-Ins geeinigt, die unsere Spitzen-Tools sind. Sie sind unabhängig von Plattformen und alle im mittleren Preis-Spektrum angesiedelt und benötigen keine extra Hardware. Es gibt jeweils zwei Gewinner in jeder Kategorie.
Bus Kompressoren:
Waves SSL G „Buss“ Compressor
Cytomic „The Glue“ Compressor
Equalizer:
Sonnox EQ IK Multimedia
T-RackS 3 Equalizer
Limiter:
Waves L2 Ultramaximizer
IK Multimedia T-RackS 3 Limiter
Ich weiß, wir haben gesagt, es gäbe jeweils zwei Gewinner, aber das hier ist ein Diamant! Ein fantastischer Limiter, aber nur für Pro Tools zu haben:
Massey L2007 Mastering Limiter
Vielen Dank an John Cuniberti, Sonny Wharton und Digital Impression für die Zeit, die sie uns geopfert haben. Morgen in der zweiten Folge, zeigen wir euch eine Schritt für Schritt-Anleitung zum Mastern eurer Tracks.
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schrieb am 10. August 2010 um 13:16 :