Reh sucht Bratpfanne oder Die Singlevorstadthölle
Als Single wird ein Mensch bezeichnet, der ohne feste soziale Bindung an einen Partner…in einem Haushalt lebt (Quelle: Wikipedia). Aktuell leben 40 Prozent aller Deutschen in einem Ein-Personen-Haushalt, in Berlin sind es 54 Prozent. Damit führt die Hauptstadt die Liste der „Städte der einsamen Herzen“ an. Du bist Single? Herzlichen Glückwunsch! (von Rebecca Hildenhagen)
Ich stehe hinter der Kasse und starre trübsinnig in den grauen Himmel. Der Regen prasselt gegen die Schaufenster, ein einziger nasser Vorhang. Die Türglocke bimmelt und ein Mann sprintet zeitgleich mit einem viel zu großen Hund in den Laden. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der Typ sich zielstrebig auf das Regal mit den Romanen zu bewegt, kurz zögert und dann zugreift. Netter Hinterkopf, netter Hintern denke ich und grinse verstohlen, während ich die junge Frau mit ihren zwei quengelnden Kindern bediene. Klebrige Händchen patschen an jedes Buch, das sich in ihrer Zwergenhöhe befindet. Ich versuche dem kleinen Mädchen ein Buch zu entwinden und flüstere ihr leise drohend ins Ohr, dass ein böser, griesgrämiger Büchergeist mit riesigen Zähnen und grüner Zunge heute Nacht an ihrem Bett stehen wird, falls sie nicht brav ist. Prompt fängt sie an zu weinen und klammert sich an das Bein ihrer Mutter. Ha! Grinsend drehe ich mich um und stelle das gerettete Buch ganz oben auf das Regal. In diesem Moment spricht der junge Mann die magischen Worte: „Ich hätte gerne diesen Roman“. Ich blicke auf den Titel und bin verliebt.
Eine zufällige Begegnung, vom Schicksal arrangiert.…das ist die Fantasie von meiner Freundin Flo, mit der sie den Mann ihres Lebens finden will. Statistisch gesehen lernen sich sich die Mehrzahl der Menschen neben einem gemeinsamen Freundes- oder Bekanntenkreis an ihrem Arbeitsplatz kennen. Manchmal ist es Liebe auf der ersten Kopie, manchmal erkennt man erst nach vier Jahren, dass die Kollegin oder der Kollege eigentlich immer schon ganz toll war. Aber was ist mit dem Rest der Menschheit? Die, bei denen der Kollege auch nach zehn Jahren Zusammenarbeit nicht interessanter geworden ist als am ersten Tag? Oder schlimmer: jene, die gar keine Kollegen haben? In solchen und ähnlichen Fällen gibt es mittlerweile eine Fülle an Partnerbörsen, Single Kochkurse, Speed-Dating Agenturen oder Singlepartys mit so herrlichen Titeln wie „Fisch sucht Fahrrad“, „Ü-30“ oder „Fliegende Herzen“, die natürlich alle den Partner fürs Leben versprechen.

Illustration @Rifkah
Wer suchet, der findet. Hält Mann oder Frau sich an dieses allseits bekannte und viel zitierte Sprüchlein, sollte es mit der Partnersuche im realen Leben doch kein Problem sein. Dummerweise verhält es sich offenbar doch etwas komplizierter. Der Bedarf an organisierter „Suchhilfe“ scheint immer größer zu werden – über die Gründe kann man nur spekulieren. Ich war von Anfang an skeptisch, als meine Freundin mir von ihren Erlebnissen im weltweiten Erlebnispark der Partnerschaftsbörsen erzählte. Für mich hörte sich das alles zu sehr nach Fleischbeschau auf dem Viehmarkt an. Man legt seine grundlegenden Daten wie Größe, Gewicht, Job, Hobbys usw. nett zusammengeschrieben aufs Tablett und serviert sie am besten gleich mit Foto. Dann wird aussortiert. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht etwas altmodisch, aber mir fehlt bei dieser Art des Kennenlernens etwas grundlegendes wie das Herzklopfen, die verstohlenen Blicke, das Flirten oder -von mir aus auch gerne- das herrlich doofe Gekicher, wenn man mit der besten Freundin unterwegs ist. All die albernen Fragen, die man sich unter Frauen stellt, wenn man von der Party nach Hause geht: „Denkst du, er ruft mich an?“ „Was soll ich sagen, wenn er anruft?!“, „Und wenn er nicht anruft, was dann? Soll ich ihn dann anrufen?“
Albern? Sicher. Nötig? Auf jeden Fall! Während sich Flo also nicht lange mit dem schreiben von Mails aufhält und direkt telefonisch mit ihrem nächsten unbekannten Internetfreund verabredet, klicke ich mich mit meinem neu erstellten Testprofil neugierig durch die angebotene Schar fremder Männer auf der Suche nach einem, der mich interessiert. Meine Kriterien: kein Foto = raus. Keine Frage im Interview beantwortet = raus. Fragen beantwortet, der Rechtschreibung aber nicht mächtig = raus. So langsam trennt sich zwar die Spreu vom Weizen, meine Laune sank dafür aber immer tiefer und tiefer gen null. Da die Männer auf ihren Profilen sehen können, wer ihre Seite besucht, bekam ich immer häufiger Anfragen – nicht wenige plump und eindeutig zweideutig. Na, vielen Dank auch, mir reicht’s! Während ich mein Testprofil auf Nimmerwiedersehen in die virtuelle Mülltonne stopfte, kam mir ein Gedanke: vielleicht sollten wir die alte Tradition des „Dresscode“ wieder einführen. Damals konnte jeder bindungswillige Mann bzw. Frau durch das tragen eines bestimmten Accessoires signalisieren, dass er/sie auf Partnersuche war. Eine praktische Sache.
In manchen Gegenden trugen ledige Frauen einen Bollenhut (auch “Schwarzwald-Hut” genannt) mit roten Kugeln, verheiratete Frauen dagegen einen mit schwarzen Kugeln. In anderen wiederum trugen unverheiratete Frauen ihr Dirndlkleid mit Schleife auf der linken Seite und verheiratete eine Schleife auf der rechten. Ohne Hut, dafür mit grünem Band zeigen sich in Berlin mittlerweile einige alleinerziehende Mütter mit grüner Schleife am Kinderwagen. Also Männer, dies ist euer Signal: Single-Mutter sucht… ansprechen erwünscht!
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Wer hat Angst vorm grünen Band, haha…